Phantastik-Couch-Forum

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candyman AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 09:22 Uhr
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Da haben wir es doch: "Bücher die vielleicht bestenfalls als Jugenbuch durchgingen". Du bist also auch der Ansicht, dass Jugendbücher sprachlich primitiv sein müssen, um zielgruppengerecht zu erscheinen?


Diese Frage könnte ich jetzt nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Tatsache ist wohl, dass den jugendlichen Lesern eher noch ein "einfaches" Buch (im stilistischen Sinn, wie auch im inhaltlichen) zugemutet wird. Wenn ich mich erinnere, was ich als Teenager so gelesen habe, dann waren das wohl nicht besondere "Jugenbücher". Ich habe fast alle Kings gelesen, aber auch Michael Ende oder Ken Follet. Die sind wohl alle nicht gerade der Hochliteratur anzurechnen, aber dennoch nicht ganz ohne Anspruch. Ich habe glaub' ich nie "echte" Jugendliteratur gelesen, so dass ich den Unterschied zu einfacher Erwachsenenliteratur zu wenig kenne. Aber vielleicht müsste man da noch zwischen Kinder-Büchern unterscheiden. Ich erinnere mich da noch an "die schwarzen Brüder" (Autor?), ein ziemlich eindringliches brutales "Kinderbuch", das vielleicht auch Erwachsene heute noch ansprechen könnte...
Frech finde ich aber wie gesagt, wenn ein anspruchloses Buch (sei es nun ein missglückter Jugendroman oder ein orientierungsloses Erwachsenen-Buch) einfach mal der breiten Masse hingeworfen wird. Die soll dann selber sehen, was sie damit anfängt.
Aber natürlich sollten, um auf deine Frage zurückzukommen, Jugendbücher eine gewisse sprachliche Konstanz haben und auch inhaltlich/thematisch der Altersgruppe/dem Lebenszyklus entsprechen. Andererseits gilt das dann für die Erwachsenen-Literatur auch nicht mehr. Es gibt ja nicht nur Midlife-Crisis-Abhandlungen in Romanform oder Familien-Chroniken. Der eine steht schlicht auf infantile Splatter-Orgien, der andere auf erotische Kioskromane, wieder ein anderer tut sich vielleicht nur noch Klassiker an, weil ihn alles andere Zeitverschwendung dünkt. Und so hege ich die leise Vermutung, dass es grundsätzlich auch keine "spezielle" Jugenliteratur bräuchte...?
JulO AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 13:55 Uhr
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Aber was mich bei den von mir zitierten Interviews beunruhigt, sind diese Bemerkungen über angeblich zielgruppengerechte Sprache, vor allem in Zusammenhang mit Jugendliteratur. Heißt das im Ernst, man dürfte die Kids nicht mit gehobener Sprache konfrontieren? Nur kurze, blutige Sätze, wie asta es so schön ausdrückt? Kein Wunder dann, dass die Jungen nur noch auf Blödzeitungsniveau dahersabbeln!Was mich unangenehm daran erinnert, dass einer der slowenischen Harry-Potter-Übersetzer für seine literarisch anspruchsvolle Ausdrucksweise landesweit zur Schnecke gemacht worden ist, nach dem Motto: Solche Wörter kennt doch keiner!


Mich hat die Abweichung von der Alltagssprache als Kind eher fasziniert als abgeschreckt. Eines meiner Lieblingsbücher war damals "Die Abenteuer des Marco Polo" von Willi Meinck. Da habe ich solche Wörter wie Oheim und Base und ähnliches gelernt. Damals, mit 10, 12 habe ich auch Bücher meiner Großeltern in Frakturschrift gelesen. Man darf Kinder einfach nicht unterschätzen. Das fängt ja schon bei ganz kleinen Kindern an. Da gibt es Disneybücher auf einfachstem Niveau und es gibt kindgerecht aufgearbeitete Fabeln. Ich will damit gar nicht sagen, dass Disneybücher per se schlecht sind, die wirken auf Kinder sehr anziehend, aber die Mischung macht´s. Wenn man Kinder nur unterfordert, können sie auch nicht wachsen.

Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe. Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr.

asta AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 13:57 Uhr
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@Eva und Helix, ich denke wir meinen dasselbe... nur mit anderen Worten.

Aber nehmen wir zum Beispiel meine Tochter. Sie ist 11,5 Jahre alt und eine absolute Lesemaus (sie hat mehr Bücher im Regal als ich und die auch noch alle gelesen!). Dazu gehören natürlich die üblichen, aktuellen Verdächtigen wie Biss, Vampire Academy, Nina Blazon...,
aber auch die alten Klassiker wie Astrid Lindgren, Erich Kästner, Otfried Preußler, die Märchen aus 1001 Nacht..., (wobei wir die Klassiker alle zusammen gelesen haben)... *zwinkert*
Also wenn ich ihr ein klassisches sprachlich komplexes Buch anbiete, so empfindet sie das als altbacken, hochtrabend und schlichtweg oft langweilig. Die Lesekompetenz hat sie... aber, es liegt eher am zeitlich aktuellen Bezug.
Die Büchern, die sie interessant findet, müssen unbedingt etwas Modernes, Aktuelles im Vordergrund stehen haben und die Sprache sollte eher trendgerecht sein (ohne Gossenjargon, der stößt eher ab). Die Gefühlswelt sollte nicht so kompliziert, so wie oft in den erwachsenen Büchern sein. Da sie sich dort nicht wiederfinden kann! Dazu fehlt dann die Lebenserfahrung.
Meine Erklärung hierzu ist, dass wir alle in einer schnelllebigen Zeit leben und unsere Kinder das noch deutlicher spüren. Eine ständige Reizüberflutung und eine immense Auswahl an Lesestoff tun ihr Übriges. Die Kids wollen zeitgemäß sein und in diesem Alter interessieren die OLLEN SCHINKEN sie nicht so (wobei nicht ausgeschlossen ist, dass dies noch kommt!).
Kurz... wer meine Tochter erreichen will, der sollte sich ein Beispiel an Nina Blazons Faunblut nehmen und eine Sprache wählen, die ohne Gossenjargon auskommt, dabei aber nicht zu vielschichtig kompliziert ist und inhaltlich für Jugendliche ansprechend bleibt.
Und ihren lesewütigen Freundinnen (übrigens alle mit sehr guter Schulbildung) geht es ebenso.
Was sagt uns das in Hinblick auf die Zielgruppevorgabe? *grinst breit*
LG asta

Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe. (René Descartes)

JulO AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 14:14 Uhr
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*grinst breit* *grinst breit* *grinst breit* Ich habe gerade die Erkenntnis gewonnen, dass ich mich vom Erwachsenen zum Kind zurückentwickelt habe. Als Kind habe ich "Ditte Menschenkind", "Pelle der Eroberer", "Oliver Twist", "Die Schatzinsel", "Spartacus", "... und wählte fünf glatte Steine", "Die Nonne", "Die Kartause von Parma" und was weiß ich noch alles gelesen. "Faunblut" habe ich letztes Jahr gelesen. *ist überrascht*

Kinder haben sicher einen ganz anderen Zugang zu Literatur und sie verstehen vielleicht auch nicht immer alles oder zumindest nicht auf die gleiche Weise wie Erwachsene. Das heißt aber nicht, dass ihnen Klassiker nicht Spaß machen und sie nichts daraus lernen würdend.

Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe. Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr.

asta AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 14:30 Uhr
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@JulO
Das sehe ich auch so! Ich habe übrigens gerade eben Nina Blazons Faunblut durchgelesen! *grinst breit* *grinst breit* *grinst breit*

Dennoch denke ich, dass es immer Zeiten gibt, wo man leichter den Einstieg in die Klassiker findet. Vllt. habe ich meiner Tochter (bevor sie selbst lesen konnte) zu viele davon vorgelesen? *grinst breit*
Oder es gehört zu pubertären Phase nun nur noch Zeitgemäßes lesen zu wollen? *schaut cool*

Doch ich muss gestehen, dass es auch für mich oft entspannender ist gute Unterhaltungsbücher zu lesen, als mich z.B. spät abends mit echt schwerer Kost ins Bettchen zu legen! *grinst breit*
Da bin ich dann froh, dass ich die meisten Klassiker alle im Alter zwischen 16 und 22 Jahren gelesen habe! *zwinkert*

Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe. (René Descartes)

Eva@Phantastik-Couch AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 17:28 Uhr
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@Eva und Helix, ich denke wir meinen dasselbe... nur mit anderen Worten.


Das denke ich auch.
Ich habe hier absichtlich nicht die Erfahrungen mit meiner Tochter aufgeführt, weil die eben aus einem belesenen Haushalt kommt. Wir haben ihr da keine Chance gegeben 'raus zu kommen, ihr als sie 6 war, den "Hobbit" vorgelesen, "Herr der Ringe" hat sie mit 11 gelesen, davor eben auch die Kinderbuchklassiker Lindgren, Kästner und danach von Harry Potter über Phillip Pullman bis Orwell, irgendwann asiatische Autoren im Zuge der Manga-Phase usw.
Nun studiert sie Englisch, liest die Klassiker der "Utopian fiction" und ich hoffe, dabei fällt für uns hier mal ein Special-Beitrag ab....(hat sie mir auch zugesagt, aber *pssst*).
Naja, aber es wäre eben schön, auch Kids aus weniger "privilegierten" Haushalten an Bücher heran zu führen und das gelingt meines Erachtens schon eher mit altersgemäßer Literatur, auch in sprachlicher Hinsicht.
Da fällt mir ein, dass ich Zafons "Der dunkle Wächter" mit großer Begeisterung gelesen habe, ein früher Horror-Jugendroman, den ich allerdings, wenn der Verlag ihn nicht als solchen vorgestellt hätte, nicht unbedingt so charakterisiert hätte.
Im direkten Vergleich sieht man dann schon, dass er sprachlich und inhaltlich nicht ganz an die Komplexität des "Schatten des Windes" heran kommt, aber wie gesagt, in meinen Augen dennoch ein Juwel, eben auch in sprachlicher Hinsicht.
Für mich ein absolut positives Beispiel, nenne man es nun "All-Age" (was der Verlag zum Glück vermieden hat), oder nicht.
Jetzt habe ich den Nachfolger auf dem dt Buchmarkt, eigentlich Zafons erster Roman " Der Fürst des Nebels" schweren Herzens jemand anderem zur Rezension gegeben (es muss ja hier mal eine andere Meinung her, als meine....), der die anspruchsvollen Phantastik-Werke nicht scheut. Bin schon gespannt, wie das Urteil ausfällt...
LG
Eva

"if you have the right attitude, interesting problems will find you!"

candyman AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 17:52 Uhr
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Mich hat die Abweichung von der Alltagssprache als Kind eher fasziniert als abgeschreckt. Eines meiner Lieblingsbücher war damals "Die Abenteuer des Marco Polo" von Willi Meinck. Da habe ich solche Wörter wie Oheim und Base und ähnliches gelernt. Damals, mit 10, 12 habe ich auch Bücher meiner Großeltern in Frakturschrift gelesen. Man darf Kinder einfach nicht unterschätzen. Das fängt ja schon bei ganz kleinen Kindern an. Da gibt es Disneybücher auf einfachstem Niveau und es gibt kindgerecht aufgearbeitete Fabeln. Ich will damit gar nicht sagen, dass Disneybücher per se schlecht sind, die wirken auf Kinder sehr anziehend, aber die Mischung macht´s. Wenn man Kinder nur unterfordert, können sie auch nicht wachsen.


Schön gesagt. Mir gings ähnlich. Mit etwa dreizehn fand ich den Herrn der Ringe gerade genügend anspruchsvoll, um meinen Ehrgeiz zu wecken, mit diesem "Schunken" fertig zu werden. Obwohl ich bei diesem ersten Mal lesen wahrscheinlich nicht alles verstanden habe... (vielleicht auch später nicht). Und irgendwie stützt doch dein Beispiel, JulO, auch ein bissel meine Aussage, dass es "massgeschneiderte" Bücher, egal ob für Kinder, Jugendliche oder was auch immer, gar nicht unbedingt braucht. Es dürfen doch schlicht "gute, lesenswerte und in ihren Ansprüchen halt unterschiedliche Bücher" sein. Egal ob das jetzt ein Kind oder ein Erwachsener liest. Ich geb dir aber recht, dass sich Kinder und Jugendliche nicht für die gleichen Themen interessieren wie Erwachsene. Es gab bei mir beispielsweise eine Phase, da fand ich den Weltschmerz eines Hermann Hesse einfach das Grösste. Heute kann ich den nur noch schwer lesen, was weniger an der Sprache, als an seinen etwas schwülstigen Themen ("Steppenwolf" usw.) liegen mag...
Restitutus AW: Die Klassiker der Phantastik... 02.03.2010, 18:19 Uhr
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Was die Themen angeht, bin ich durchaus eurer Meinung. Aber mich irritiert es noch immer, dass heutige Lektoren offenbar auch sprachlich alles auf das "zielgruppengerechte", d. h. niedrigste Niveau stutzen wollen. So ehrenwert der Wunsch auch sein mag, den Kundenkreis durch das "Heranführen" der Leseunwilligen zu vergrößern - was gibt man denen, die schon herangeführt worden sind und aufbauen wollen? Hier fehlt mir einfach etwas Programmatisches.

"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

JulO AW: Die Klassiker der Phantastik... 04.03.2010, 13:30 Uhr
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- was gibt man denen, die schon herangeführt worden sind und aufbauen wollen? Hier fehlt mir einfach etwas Programmatisches.


Gibt es da wirklich nichts? Kann ich mir bei der Größe und Vielfalt des Buchmarktes eigentlich nicht vorstellen. Mein Kind ist noch nicht alt genug, als dass ich mich intensiver damit befasst hätte, aber wenn hier mal jemand ein paar Beispiele listen möchte, werde ich sie mir abspeichern. Ansonsten gibt´s ja noch die Kinderbuchcouch.

Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe. Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr.

Gruffeno AW: Die Klassiker der Phantastik... 28.03.2010, 18:28 Uhr
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Ist eigentlich schon Frank Herbert erwähnt worden?! *pfeift*
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