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Restitutus Die Science-Fiction-Falle 16.03.2010, 23:49 Uhr
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Ich hatte einen kleinen Dialog über den Buchmarkt mit einem Lektor, der früher für einen großen Verlag gearbeitet hat. Dieser Mann ist überzeugt, dass Science Fiction für Autoren eine "Falle" sei, die ihnen auf dem Buchmarkt kaum Chancen eröffne. Er gab mir darauf allen Ernstes den Ratschlag, auf "Faction" à la Frank Schätzing umzusatteln!

Davon abgesehen, dass ich den Ausdruck zum ersten Mal gehört habe (und ich bin auch nicht sicher, ob er sich aus fact + fiction oder fact + action zusammensetzt - braucht das eine eigene Couch?), finde ich diese Einstellung schon höchst erstaunlich. Fällt mir ja gar nicht ein, den Schätzing billigst zu imitieren! Aber Science Fiction eine "Autorenfalle", sprich ohne Veröffentlichungschance??? Wie seht ihr das denn, Freunde? Hat der Mann Recht mit seiner Schwarzseherei für den SF-Markt oder bildet er sich das ein?

"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

Helix AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 00:14 Uhr
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Faction? Noch nie gehört den Ausdruck ... *ist überrascht*

Ich denk mal, dass der Markt für SF ziemlich gesättigt ist. Mir fällt jetzt auch kein neuer(!) Autor ein der in dem Bereich die letzten paar Jahre mit klassischer SF für riesen Furore gesorgt hat. Da fehlt momentan vielleicht der Boom? (Vor ein paar Jahren hat wahrscheinlich ein Autor der Fantasy an den Mann bringen wollte, das Gleiche gehört.)
Aber vielleicht kommt da ja auf der Avatar-Welle so einiges auf uns zu.

Was mir in letzter Zeit vermehrt auffällt ist Alternate History (Oliver Henkel, Harry Turtledove etc.), kann aber auch eine subj. Empfindung sein. *ist überrascht*

Faulheit ist die Triebfeder des Fortschritts

Restitutus AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 08:26 Uhr
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Zur "faction":

Ich hab mich mal schlau gemacht. Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätte Schätzing den Begriff höchstpersönlich erfunden, aber näheres Forschen ergab, dass er tatsächlich von Alex Haley für seinen Roman "Wurzeln" (Roots) geprägt wurde. Er steht für fact + fiction, d. h. fiktive Handlung "hart an der Realität", mit größtmöglichem Realismus. Das muss also nicht unbedingt ein Katastrophenthriller sein. Insofern kann ich das Argument jenes Lektors nun besser nachvollziehen. Trotzdem wundere ich mich über die "Science-Fiction-Falle".

"Bei schriftstellerischen Arbeiten erholt man sich nicht, das kann ich Dir aus zehnjähriger Erfahrung für gewiß versichern, und bei Lieblingsarbeiten verdient man wenig." - Friedrich von Schiller an Christian Gottfried Körner, 4.10.1792

Shrike AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 08:41 Uhr
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Ich sehe am Markt keine Sättigung. Ich bin eher geneigt zu sagen, dass der Buchhandel von Elfen, Trollen & Co überrannt werden. In der SF-Literatur wird leider zurzeit wenig investiert; Siehe z.B die Veröffentlichungspolitik bei Heyne, ich warte bereits seit über ein Jahr auf den Abschluss der Trilogie, des Erfolgsautoren aus Frankreich, Bordage. Ich kann aber auf meine Erfahrung aus dem Buchhandel sprechen, es wurde viel nach aktuellen Erscheinungen aus der SF gesucht und verlangt. Leider musste ich oft auf altbekanntes verweisen, da die Verlage bis jetzt den Mut nicht haben, neue Autoren in ihr Profil einzuplanen. Schätzing ist ja kein großes Risiko - kann er ja noch werden, wenn er so geschwätzig bleibt *zwinkert*
Also ich glaube, diese Falle ist nur Erdacht und gilt als Begründung einiger Verlagsprofile… Die Nachfrage im Handel spricht eine andere Sprache, oder?

Meine Buchhandlung: www.buchhandlung-friedrichsort.de

Eva@Phantastik-Couch AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 11:41 Uhr
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Ich kann da nur aus dem Erfahrungsschatz der Redaktionsarbeit sprechen und sagen: Es ist im Moment tasächlich sehr schwer, aktuelle gute Science Fiction zu finden, zumindest im Verhältnis zu den andern Genren.
Das mag auch daran liegen, dass ich mich im Bereich der Fantasy auch immer noch besser auskenne, als in dem der SF, aber trotzdem fällt einfach auf, dass die Anzahl der SF Veröffentlichungen einfach rückläufig ist/scheint.
Auch jetzt auf der Buchmesse in Leipzig, jede Menge Fantasy, kaum-keine SF.
Ich habe das schon mit Leuten, die im SF Bereich zuhause sind, diskutiert, warum das so ist. Man kann nicht sagen, dass sich SF weniger weiter entwickelt, als andere Genre. In Sachen Dystopie/Steampunk tut sich ja schon einiges, eine Ströhmung mag auch dieses "Faction", kann man sicherlich auch Future/Science-Thriller nennen, sein.
Geht die SF Entwicklung an der gesellschaftlichen vorbei? Ist sie zu politisch, zu kritisch und trifft deshalb nicht den Zeitgeist des gegenwärtigen "Spass"-Zeitalters? (ACHTUNG: bewusste Übertreibung...*zwinkert*)
Ich weiss es nicht und wüsste es gern.
Mir scheint, der Ex-Lektor hat da nicht ganz unrecht...
LG
Eva



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Flitzi AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 13:08 Uhr
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Zu dem Thema hatte ich vor ein paar Wochen einen interessanten Blogeintrag des jungen Fantasy-Autoren Mark Charan Newton gelesen (siehe Link).
Da ist eine ziemlich heftige Diskussion entbrannt, zu der auch einige SF-Autoren wie Philip Palmer, Charles Stross, Richard Morgan, Neal Asher und Mark Chadbourn ihren Senf geben.

» Why Science Fiction Is Dying

Vito AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 14:40 Uhr
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Mir geht es leider so das wenn ich die Cover der SF-Bücher lese , ich nicht wirklich was Neues finde .
Irgendwo hab ich noch die Klassiker im Kopf .
Das eine erinnert dann an Herbert , das andere an Asimov oder Clarke ; kennt man alles schon...
Perry Rhodan hab aus diesem Grund aufgegeben , irgendwie war alles schon mal da .
Was dem Markt angeht finde ich das in allen Phantasikbereichen ,bis auf SF,zu viel publiziert wer soll das alles lesen ? *zwinkert*
Allein schon die Romane der deutschen Autoren z.B. Hennen,Heitz,Eschbach , Hardebusch überscheiten mein Zeit und Geldbudget bei weitem.... *schaut traurig*
Flitzi AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 14:55 Uhr
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Was dem Markt angeht finde ich das in allen Phantasikbereichen ,bis auf SF,zu viel publiziert wer soll das alles lesen ?

Ich finde eher, dass zu wenig publiziert wird. Man muss ja nicht alles lesen. Ist doch schön, wenn man aus einem reichhaltigen Angebot etwas für seinen Geschmack herauspicken kann.
Wenig publizieren bedeutet, dass nur noch populäre Werke verlegt werden und neue Autoren keine Chance mehr haben. Populär ist auch nicht zwangsläufig gut. Für meinen Geschmack wäre dann wohl auch kaum noch was dabei.
Mich ärgert vielmehr die Marketing-Strategie in Deutschland. Der Blurb ist auf jedem Buch derselbe. Titel und Cover kann man auch oft in die Tonne treten. Einfallsloser geht es kaum. Und da wundern sich die Verlage, warum manche Bücher nicht verkauft werden, obwohl die literarische Qualität stimmt.

» Why Science Fiction Is Dying

Vito AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 16:51 Uhr
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Das mit den deutschen Titeln ist ja leider ein nicht endender Hirnkrampf in allen Bereichen der Literatur.
Hier mal ein Beispiel aus den nicht Phantastik-Büchern .
Aus "To soon to say Goodbye" von Art Buchwald wird in Germanisch "Ich hatte keine Ahnung das Sterben so viel Spaß machen Kann" *schweigt lieber*

Ich finde es generell schwer die literarischen Perlen aus dem großen Angebot zu picken , aber dafür gibts ja seiten wie Phantastik-Couch .
Von allein wäre ich nie darauf gekommen mir den "Kinderdieb" von Brom an zu schauen .

Eva@Phantastik-Couch AW: Die Science-Fiction-Falle 17.03.2010, 18:34 Uhr
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Zu dem Thema hatte ich vor ein paar Wochen einen interessanten Blogeintrag des jungen Fantasy-Autoren Mark Charan Newton gelesen (siehe Link).
Da ist eine ziemlich heftige Diskussion entbrannt, zu der auch einige SF-Autoren wie Philip Palmer, Charles Stross, Richard Morgan, Neal Asher und Mark Chadbourn ihren Senf geben.


Habs jetzt nur überflogen, da ich quasi auf dem Weg zur "faction" Lesung "Limit" bin und noch für Leipzig packen muss, aber da stehen einige sehr interessante Gedanken drin!
Mich wundert nur, dass man sich tatsächlich (soweit ich das bisher beurteilen kann, bin nicht ganz bis nach unten gekommen..) hauptsächlich "klassische" Formate berücksichtigt und diskutiert werden.
Klar ist, das sich ein Genre weiter entwickeln muss, um fortzubestehen, ein Herbert, Asimov etc etc verkauft sich irgendwann nicht mehr und wird irgendwo wirklich von der Realität eingeholt.
Aber die SF entwickelt sich weiter, auf sehr interessanten Wegen, daran liegt es nicht.
Vielleicht tatsächlich daran, dass Autoren, die eine "literarische" Klientel bedienen, sich der Ideen annehmen....
Womit wir wieder bei der gesellschaftlichen Entwicklung wären: ist moderne SF für die Unterhaltungsliteratur zu anspruchsvoll? *zweifelt*
Ich lese es bei Gelegenheit mal komplett....
LG
Eva

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